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Full text of "Michaelis Villanovani ... in quendam medicum apologetica disceptatio pro astrologia, mit einer ..."

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^^ 




Michaelis Villanovani 

(Servetl) 

in qnendam medicnm 

Apologetica disceptatio 
pro astrologia. 



■wt^^ 



Nach dem einzig vorhandenen echten Pariser 
Exemplare, mit einer Einleitung und Anmerkungen 

neu herausgegeben 
Ton 

Henri Tollin, Me. theol. 

Prediger in Magdeburg. 



Berlin, €^ 1880. 

Verlag von H. B. Mecklenburg 

Klosterstrasse 88. 




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r 



Das Recht der Uebersetzung bleibt vorbehalten. 



Dem 

Erricliter der Statue Jüichael Servet», 

Director und Gründer des Anfiteatro anatomico 

espanol zu Madrid, 

Herrn Professor Doctor medicin. 

Don Pedro Gonzalez de Telaseo, 

seinem theuren Mitarbeiter, 

widmet 

diese zuerst wieder aufgefundene Schrift 

in ehrfurchtsvollem Danke 



Der Verfasser. 



Einleitnngr 

In die Apologetica DIsceptatIo 
Michael Servet's. 



Als ich im Jahre 1858 auf meinei' ersten Servet- 
Beise in Paris eintraf, war mein erster Gang nach 
der Biblioihöque nationale, rue Bichelieu 58. Ich 
bat um zwei Bolletin^s und schrieb auf das eine: 
Christianismi Bestitutio, auf das andere: Apologetica 
disceptatio Michaelis ViUanovani. Es waren die 
Titel der beiden seltensten Schriften Michael Servet's, 
und darum fragte ich gerade danach zuerst in jedem 
neuen Orte, wohin mich meine Beise führte, in 
Deutschland, der Schweiz, Norditalien oder Frank- 
reich.^) Nach wenigen Minuten erfuhr ich das 
Besultat der Nachsuchung : Servers Bestitutio Chri- 
stianismi sei in Paris nicht vorhanden, die Apolo- 
getica disceptatio stände auf dem Lesezimmer zu 
meiner Benutzung aus. Dies Besultat war direct das 
Gegentheil von dem, das ich erwartet hatte. Wusste 
doch jeder Servet-Kenner mit mir genau, dass 
Servet's Christianismi Bestitutio auf der National- 
Bibliothek in Paris sei; wusste aber auch ebenso 

Ueber diese Studien-Heise s. Lehrsystem Michael Servet's. 
Gütersloh 1878, Bd. H. S. VI. sqq. Die Liebenswürdigkeit 
der Pariser Bibliothecare und Archivare ist wahrhaft vor- 
bildlich. 



genau, dass die Apologetica disceptatio von allen 
Servet-Kennern aller Zeiten in der ganzen Welt bisher 
vergeblich gesucht worden war. In dem Glauben, 
dass eine Verwechslung vorliege, begab ich ,mich 
zu dem betreffenden Herrn Bibliothecar, um ihm 
die Bibliotheks - Nummer des berühmten, alten 
Pariser Restitutio-Exemplar's, das schon la Valliere 
(Catalog. Theol. 913) so treu beschrieben hat — 
es war ja das einzige echte neben dem Wiener — 
zu nennen. Es wurde mir aus den Fächern der 
seltensten Werthbücher heruntergeholt und auf dem 
Lesezimmer — ein Werth von 4121 livres schon 
im vorigen Jahrhundert — anvertraut. Ich erhielt 
später auch das so viel umstrittene Eestitutio- 
Manuscript des Coelius Horatius Curio und vieles 
andre Wichtige. Aber die Disceptatio apologetica 
Michaelis Villanovani trat wieder in ihre un- 
nahbaren Wolken zurück? Nein, sie war noch 
vor dem Originaldruck der Restitutio, vor dem 
alten Restitutio-Manuscript und vor all den andern 
Schätzen an erster Stelle mir aufgethan worden: 
auf dem Schilde die No. V, 2410. 

Ich traute meinen Augen kaum. Sollte dies 
Büchlein da in klein Octav, dies Büchlein ohne Ort 
und Jahr von gerade nur sechszehn Seiten, dasselbe 
sein, nach welchem sich bis zur Stunde alle Servet- 
Forscher fast die Augen ausgeschaut hatten? Ich. 
prüfte seine Echtheit. Zweifellos war es das Papier, 
die Druckerschwärze, die Buchstaben aus der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nirgend zeigte es 



Sparen von späteren Einlagen oder Ausschnitten, 
freilich auch nicht jene &mosen Stockflecke des 
ßestitutio-ExemplarSy die, um es theurer zu machen, 
immer wieder zu Brandflecken gestempelt werden 
aus Kohlen vom Scheiterhaufen, man weiss nicht 
recht von Vienne oder Genf? Doch auch die alten 
Beschreibungen stimmen genau. Im Pariser Process 
Servet's, in dem dies Büchlein das eigentliche Corpus 
delicti bildete, weil es eine Vertheidigung der all- 
gemein verurtheilten Astrologie sei, wird gesagt, 
des Villanovanus Apologie beginne mit dem Worte: 
„Interpellavit".') Und in der That: Interpellavit 
lectiones meas, beginnt das von mir entdeckte (un- 
paginirte) Pariser Exemplar. Druckort und Druck- 
zeit wird in dem Pariser Prozesse Servet's nicht 
angegeben. Und das Pariser Exemplar verschweigt 
Oit und Zeit des Druckes. Dabei wird von den 
Pariser Richtern nui' der Verfasser der Apologie 
augeklagt, nicht der Drucker; sicher doch nur dar- 
um, weil man vom Drucker nichts gerichtlich Fest- 
stehendes wusste. Und auch das Pariser Exemplar 
deutet keinen Drucker an. Die am meisten incri- 
niinirte Stelle, welche im Prozesse den Zorn und 
das Zähnefletschen der medicinischen Facultäts- 
mitglieder hervorrief, lautet: „Fuit-) nocte sequenti 
Mars eclipsatus a Luna juxta stellam, quae dicitur 

^) S. vorläufig bei Mosheim: Anderweitiger Versuch. 
Heimst. 1748, p. 400. 

2) Mosheim druckt: Fiat. Im Urtexte des Prozesses, deu 
ich einst veröffentlichen werde, heisst es: Fuit. 



8 



Bex sive Cor leonis.*) Unde futurum*) praedixi, 
nt hoc anno avidius excitarentur corda leonum,') id 
€8t: animi principnm ad arma cum marte capessenda, 
nltiltaque ferro et igni yastatnm iri, ecclesiam pas- 
suram, principes quosdam interituros, pestes insuper 
€t alia." Und wörtlich so findet sich die Stelle 
i;rieder in dem Pariser Exemplar der Apologetica 
disceptatio pro Astrologia p. 3 oben. Nur dass 
Servet sogleich hinzusetzt: quae Dens avertat; 
Worte, welche die gegen ihn voreingenommenen 
Eichter ganz unbilligerweise weglassen, auf die sich 
aber im Prozess ausdrücklich Marillac,*) sein Ver- 
theidiger beruft. Nicht lange, heisst es im Pariser 
Prozess, nach jener Stelle sage der Angeklagte: 
„Languere, dolere, mori, quicquid boni malive in 
homine est, de*) coelo proficiscitur." Und wörtlich 
ebenso findet sich die Stelle im Pariser Exemplar 
der Apologetica disceptatio p. 8. Nur lassen die 
parteiischen Pariser Bichter aus, dass Servet hier 
nicht selber spricht, sondern, wie er angiebt, den 
Hippocrates, iib. de camibus, citirt, während aus- 
drücklich Marillac, Servet's Vertheidiger im Pariser 



*) Mosheim druckt mit du Boulay: Corlerins. Der Urtext 
hat: Cor leonis. 

2) Mosheim und du Boulay: facturum. 

^) Mosheim setzt dies Comma sinnloser Weise hinter: 
id est. 

*) Mosheim druckt Marlhac. Im Urtext heisst es : Marilhac, 
die alte Form für die sehr bekannte französische Familie. 

*) Mosheim druckt hier: e coelo. 



Prozess hervorhebt,^) ce n'est luy qni le dit, mais 
citat Hippocratem, medicinae pai*entem,^ qai le dit 
en son livre: de camibus. Ferner rfigt Lef&vre, 
der Vertheidiger der medicinischen Pacultät von 
Paris, Villanovanus habe die Facultät der Imperities') 
geziehen und deren Mitglieder: „Monstres" genannt. 
Und in dem Pariser Exemplar der Apologetica dis- 
ceptatio gleich zu Anfang pag. 1 wirft er seinem 
Vorlesungsunterbrecher nicht nur die Imperitia vor, 
sondern sagt auch später ausdrücklich, wo er von 
seinem Kampfe spricht: Sciebam enim, cum tot 
monstris mihi esse dimicandum (p. 12). Endlich 
vertheidigt Marillac seinen Clienten gegen den Vor- 
wurf, dass er die unwissenden Mediciner seiner Zeit 
eine Pest genannt habe, denn Galenus nenne zu 
seiner Zeit sie eben so. Und in dem Pariser Exem- 
plar p. 12 lesen wir: „Demum Galenus, quum suo 
seculo talis erat medicorum pestis, qualis hodie, 
jurat" caet. Und, wo der Verfasser die drei Argu- 
mente seines Gegner's zurückweist, sagt er p. 16: 
„Aliud quod annectit, est inscitiae intolerandae ar- 
gumentum." — Da demnach kein Grund vorliegt, 
an der Echtheit des vorliegenden Exemplar's zu 
zweifeln, so muss man annehmen, dass die von allen 
Servetforschern verloren geglaubte Apologetica dis- 

^) Hier, in MariUac's Citat, drückt auch Mosheim richtig: 
de coelo. 

-) Mosheim und du Boulay: patrem. 

^) Mosheim druckt; de Imperitiae. Im Urtext steht: de 
Imperitie. Le Fövre's Latein war wohl nicht sonderlich. 



10 



ceptatio hier wieder zum Vorschein gekommen ist 
Und das bestätigt denn auch die Aa&chrift des 
Pariser Exemplar's: „Cette dissertation", heisst es 
da auf dem ersten Blatt mit der Tinte des vorigen 
Jahrhunderts: „Cette dissertation du famenx Servet 
ni'a 6te envoyäe de Limoges par Mr. de TEpine et 
remise par mon frere le 22. Janvier 17H3." Und 
darunter steht von anderer Hand: „Donne ä la 
Bibliothfeque du Roy par M. d'Haagaixl ce 6. fe- 
vrier 1783. Sign6 Desaunays." Dass Michael Servet 
mit Michael Yillanovanus identisch ist, kann ja nicht 
bezweifelt werden. Hat doch der Verfc von L. VII. 
De Trinitatis erroribus aus der Schweiz und Deutsch- 
land fliehen müssen, weil niemand dem spanischen 
Frevler wider die Schullehre der Dreieinigkeit Luft, 
Licht und Leben gönnte. Unter dem fremden Na- 
men Michel de Villeneufve, den er von Villanova, 
dem Stammschloss seines Vaters in der Diöcese 
Lerida angenommen hatte,*) zog er nach Fi*ankreich. 
Als Villeneuve arbeitete Servet bei der Bücher- 
Correctur der Gebrüder Trechsel in Lyon, als Ville- 
neuve wurde er Schüler Champier's, als Michael 
Villanovanus gab er die Brevissima Apologia pro 
Symphoriano Campegio, die Schrift Syruporum uni- 
versa ratio, die beiden Ausgaben des Ptolemaeus, 
die Biblia Pagnini, die Somme espagnole de Thomas 
d^Aquin, und so wiederum als Michael Villanovanus 
die Apologetica disceptatio pro Astrologia heraus. 

^) S. Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie von Hil- 
genfeld, 1878, p. 448—457. 



11 



Fragt man nun nach Druckort und Druckjahr 
der Schrift, so wird beides nirgend angegeben. In- 
dess, da Michael Villanoranus, als er die Schrift 
herausgab, zu Paris niagister facultatis artium und 
scholasticus facultatis medicinae, seine Gönner, 
Freunde und Zuhörer Pariser Studenten, sein Gegner 
die Pariser medicinische Facultät, der Hauptver- 
breiter der Schrift der Hofastrologe und Hofarzt 
König Franz I. in Paris*) war, auch dem in Paris 
wohnenden Verfasser an möglichster Beschleunigung 
der Sache lag, so möchten „les imprimeurs", die 
öfter im Prozess, ohne Namen noch Wohnort, ge- 
nannt werden, am ersten wohl ebenfalls in Paris 
selbst zu suchen sein. Auch die Druckzeit lässt 
sich ziemlich genau bestimmen. Der von mir 1858 
im vol. V fol. 97 und 98 der Coramentarii facultatis 
medicinae Parisiensis entdeckte,, 1875 in der Zeit- 
schrift für historische Theologie p. 547 und 1878 
in der Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie 
p. 451 signalisirte, höchst interessante Servet- Ab- 
schnitt: Quidam scholasticus medicinae Michael Vil- 
lanovanus etc. etc.^) folgt nämlich in den Facultäts- 
Annalen unmittelbar auf einen andern Bericht vom 
25. Februar (1537 a. P. d. h. nach unserer Zählung) 
1538. Da nun nach der Klage drei D6faults ein- 
traten, d. h. drei Mal der Kläger oder der Verklagte 
wegen gerichtlicher Hinderungen nicht vorgelassen 

*) Ueber ihn s. meinen Artikel in Virchow's Archiv. 1878. 
2) S. den genauen Abdruck in Heinrich Rohlfs* Archiv 
für die Geschichte der Medicin, 1880, JuU-Heft. 



12 



wurden;*) Tagault, der Decan aber erst klagte, nach- 
dem Servet seine Apologetica disceptatio dem Druck 
übergeben hatte; das Erkenntniss endlich vom 
18. März (1537 a. R, d. h.) 1538 (nach unserer 
Zählung) datirt, so muss Servet's Schrift pro astrologia 
Ende Februar, spätestens m den ersten Tagen des 
März 1538 druckfertig gewesen sein. 

Doch wie kam überhaupt Servet zu jener Schrift? 
Ich will hier nur einige Andeutungen geben, weil 
ich mir vorbehalte, Michael Servet's ebenso unbe- 
kannten wie äusserst interessanten Pariser Prozess 
anderswo aus den von mir zahlreich neu entdeckten 
Quellen ausführlicher darzustellen. Unter den adli- 
gen Pariser Commilitonen Michael Servet's befand 
sich auch Pierre Paulmier, ein feiner, scharfsinniger, 
gelehrter, reformatorischer Mann, den das Dom- 
kapitel von Vienne auf König Franz I. ausdiiicklichen 
Wunsch im Jahre 1528 zum Erzbischof von Vienne 
in der Dauphinfe gewählt und damit zum geistlichen 
Primas von Frankreich erhoben hatte. Dieser viel 
gereiste Freund und Gesandte des französischen 
Königs war in Lyon, wo er ein Haus hatte und 
öfter in des Königs Begleitung weilte, auf die 
zu Lyon bei den Gebrüdern Trechsel erschienene 
Pracht-Ausgabe der Geographie des Ptolemaeus, 
durch die der Spanier der erste Entdecker^) der ver- 



Ob impedimenta curiae, berichtet der Decan: denn so- 
wohl er selbst war erschienen als auch der Angeklagte: 
,,temeraria quadam fretus audacia.'* 

2) Zeitschrift d. Berlin. Gesellschaft für Erdkunde. 1878. 



13 



gleichenden Geographie, der Wegebereiter für Aleiu 
y. Humboldt und Carl Bitter geworden ist, auf- 
merksam gemacht. Dies Werk des jungen Spanierß 
gewann der fär geogn^phische Studien begeisterte 
junge Erzbischof gar lieb^ Er war's, der später den 
Servet bat, einige Fehler zu verbessern, die Stellen 
vom nie gesehenen Kropfheilen des Königs und voii 
der Unfruchtbarkeit des heiligen Landes auszulassen, 
andere sehr nützliche Dinge hinzuzuf&gen, un^ 
der die so verbesserte neue Auflage mit einer schmei- 
chelhMten Dedication anzunehmen geruhte, auch dep 
Michael Villanovanus zu seinem Leibarzt ernannte, 
nach Yienne rief und dort eilf Jahre aufs Treueste 
in Ehren hielt. Er ist es, der gleich 1638 den jungen 
Pariser Magister artium veranlasste, geographisch- 
mathematisch-astronomische Vorlesungen zu halten* 
Diese Vorlesungen wurden schon von einem grossen 
und auserw&hlten Kreise, in dessen Mitte sich der 
Primas von Frankreich befand, besucht, als, wenige 
Tage nach ihrer Eröffnung, der J)ecan der medici- 
nischen Facnltät, Dr. Jehan Tagault, der berühmteste 
Schäler des Guy von Chauliae, plötzlich, von einigen 
Freunden begleitet, in den Hörsaal drang, Michael's 
Vorlesungen gebieterisch unterbrach und im Namen 
der Facultät erklärte, Servet treibe Astrologia judi- 
ciam, diese aber sei von den Do<;toren der Pariser 
Facultät verdammt worden (cum in suis lectionibus, 
tum in publicis disputationibus). Michael Servet, 
jedem Aufruhr zuwider, hörte sofort, bis zur Ent- 
scheidung der Sache, mit seinen Vorlesungen auf. 



14 



Sein Fi^imd der Prhöas aber und sein Gesinnungs- 
genosse, Maltre Jehan Thibault, des Königs Leib- 
arzt und Hofestrologe, riethen ihm, gegen den Inter- 
pellanten eine kurze Apologie herauszugeben. Ta- 
gault*) ermahnte ihn, doch die Apologie zu unter- 
drücken. Servet blieb fest. Der Decan drang von 
•neuem in den Scholaren, in arca nostrae scolae, 
post dissectum corpus humanum, quod ille- 
met Villanovanus cum aliquo Chirurgo dis- 
secuerat. Als Michael bei seinem Entschluss be- 
harrte, rief der Decan die eigene Facultät und dann 
die Theologische und darauf die Artistische und 
nun endlich die gesammte ITniversitat und die In- 
quisition*) und zuletzt das Parlament auf gegen den 
Astrologen und seine gefthrliche Schrift. Ad ig- 
nem, tö»te es, ad ignem. Servet aber bot die Hand 
> zur Versöhnung: er schickte italienische Commili- 

tonen — wahrscheinlich aus dem CoUegium Lom- 
bardorum, in dem er wohnte, aus — und bat Ta- 
gault, den Tumult zu stillen (ut tumultüs iste se- 
daretnr). Tagault stellte als Beidingung öffentliche 
Abbitte vor der Facultät (modo rötts culpam fa- 
teretur coram facultate). DesEl^n weigerte sich der 
Entdecker des Blutkreislauf. Dennoöh hatte er 
durch Nachgiebigkeit seine Lage wesentlich gehoben. 
Le F^vre, der Advocat der Facultät, beschränkte 

S. KohW Archiv f. Geschichte d. Mediein 1880. 

-) Die Pariser Inquisition sprach Servet frei. Leider fand 
ich die Acten nirgend, e1)ensowenig wie die des Vienner 
Prozesses. Wo sind sie nur? 



15 



sich auf den Antrag, dass die Apologie vor dem 
Gerichtshof in Gegenwiirt des Villanovaniis, oder 
doch Wenigstens an den Orten zerrissen würde, in 
quibns publice professns est und an denen er von 
der Facultät übel geredet habe. Das Parlament 
erkennt am 18. März (1537 a. P., i. e.) 15S8 nach 
modemer Zählung, „Villanovanus habe allen Fleiss 
anzuwenden, um alle und jede der in seinem Namen 
gedruckten und vertreiteten Apologieen, seitens der 
Drucker; die sie gedruckt, der Buchhändler, die sie 
ausgelegt, der andern Personen, die sie erhalten, 
gekauft oder vor sich haben, binnen* acht Tagen 
wieder zurückzuziehen und zurückzuerhalten, um sie 
sofort auf die Kanzlei des Gerichts zu bringen und 
dort dem Gericht frei zu überlassen, was damit ge- 
schehen solle, und dies alles unter Androhung einer 
Strafe, die in dem Belieben des Gerichtshofes stehen 
sollte;"*) wie denn auch schon der königliche Ober- 
staatsanwalt — Remon, an seiner Stelle — darauf 
gedrungen hatte, dass jene Apologieen durch den 
Verfesser selbst zurückgezogen werden und der 
Verfiisser durch Eid sich davon lossagen sollte 
(s'en purger pär serment). Diesem Erkenntniss nach- 
zukommen, musste dem Servet um so leichter feilen, 
da er ja, wie es in dem Prozess heisst, mercede 
data et ampliata, bei den Druckern die Beschleunigung 
selber in die Hand genommen, für gutes Material 

*) Le tout sur peiue d'ameode arbitraire ä la discr^tion 
de la dite Court: schaurige Worte in jener folterstolzen 
Zeit! 



16 



und Ausstattung selber Sorge getragen*) (imprimer 
en grande quali^) und, nuUa mercede accepta, die 
einzelneu Exemplare selber hatte yertheilen lassen. 
So geschah es denn, dass mit Servers Wissen und 
Willen von sdner Apologetica disceptatio auch nicht 
ein einziges Exemplar übrig blieb. Auch Maltre 
Jehan Thibault^ mMeciu et astrologue du Boi, Ser- 
vet's doppelter Gesinnungsgenosse und Freund, hat 
sicherlich kein Exemplar von der verurtheilteu 
Schrift zurückbehalten. Musste er sieh doch, wenn er 
frei war, der gefährlichen Luft der Pesthfitten, wenn 
er m Untersi)chung war, den eklen Kei^kerdfinsteu 
nur zu oft aussetzen, als dass er, der mit allen 
Hunden gehetzte, für das Volk sich sdbst auf- 
opfernde, von den Parlamenten immer wieder ver- 
folgte und vemrtheilte freisinnige Niederländer sich 
danach drängen sollte, Servetanischer zu sein als 
Servet selbst. Bei diesem Sachverhalt könnte es 
auf den ersten Anblick verwunderlich erscheinen, 
dass, als die (von Calvin auf die Identität des 
Yienner Arztes Michael ViUanovanus mit dem spa- 
nischen Ketzer Michael Servet aufmerksam ge- 
machten) Inquisitoren bei Maistre Michiel Haos- 
sucbnng hielten, sie nichts, gamichts von Servet's 
oder Yilleneuve's Scbriften vorfanden, ausgenommen 
aUein, als wären sie gftnz ^nverOlnglich i zwei 
E^mplare seiqer 4p<4ogiB gegen die Äerzte von 



Ob Palimer*8 Gold hier nachgeholfen bat, wird nicht 
berichtet 



17 



Paris?') Bedenkt man indess, dass Peter Palmier 
der eigentliche intellectuelle Urheber der Apologetica 
disceptatio Michaelis Villanovani war, so wird es 
nicht Wunder nehmen, wenn Servet seinem hohen 
Gönner eine Anzahl Exemplare zur freien Verfugung 
fiberlässt, und wenn bei Servet, dem späteren Leib- 
arzt eben dieses Vienner Erzbischöfs, zwei Exem- 
plare von jener Vertheidigung, die Palmier selber 
veranlasst hatte, erst in Yienne auftauchen, filnf- 
zehn Jahre nachdem die Pariser Exemplare ins- 
gesammt verbrannt worden sind. Ist nun unser 
Exemplar eines von diesen Viennern? Ich glaube 
nein: denn die beiden hatten die Inquisitoren von 
1553 aufgegriffen, um alles was man finden würde, 
zu vernichten. Darum glaube ich, dass diese zwei in 
Vienne bei dem Autodafe vom 23. December 1553 
mitverbrannt worden sind. Das Pariser Exemplar 
aber möchte eher das Corpus Delicti sein, das, mit 
alten „werthlosen** Parlamentsakten verkauft, Ende 
vorigen Jahrhunderts nach Limoges verschlagen 
worden i$t, um bald, als Geschenk an den König, 
nach Paris wieder zurückzukehren. 

Dass eine Schrift, welche ihren Verfasser, wie 
die Prozessakten lauten, „ad ignem'^ bringe^ sollte, 
hätte er sie nicht selber dem Feuer überliefert und 
sich von der Astrologia judiciaria losgesagt, f&r das 
Leben und Denken ihres Ver&ssers von Bedeutung 

M Artigny: Nout. mömoires d^Histoire, de Gritique et de 
Litt6ratare, Paris 1749. IL 90. 

Mich. Villanov., apologetica disceptatio. 2 



18 



sein masste, braucht nicht bewiesen zu werden. 
Aach haben von Calvin bis Ch6rean alle Widersacher, 
von Artigny bis Willis aUe Ereimde Servets danach 
ge&hndet, ohne ein Resultat zu erzielen. Artigny^ 
der Bevorzugte, dem die Yienner Prozess-Akten zu 
Gebote standen, hält Servet's Apologie contre les 
mMecins de Paris und Servet's Apologetica discep- 
tatio pro astrologia für zwei versdiiedene Schriften 
und sagt von diesen, so wie von der „In Leonartinm 
Fussinum Apologia pro Symphoriano Campegio^. 
dass sie „n'ont point 6t6 conuus des Historiras de 
Servef ^) Mosheim erklärt in seinem Anderweitigen 
Yersuch (S. 82) „dass die Schutzschrift Servet's aus 
der Welt verschwunden sei, und die allergierigsten 
Bächerforscher sich bisher nicht rühmen können, 
dass sie jemals dieselbe gesehen haben. '^ In den 
^Nenen Nachrichten" von Artigny belehrt, spricht er 
die Vermuthung aus, eines der beiden Vienner Exem- 
plare könne den Gerichtsurkunden einverleibt worden 
sein,^ und knüpft daran die Hoffnung, dass diese 
so seltene Schrtft noch einmal werde wiedergeämden 
und an das Licht gebracht werden.') Du Boulay, 
der Servet*« Pariser Prozess bringt, kennt seine 
Apologetica disceptatio nicht.'^) Trechsd, Saisset, 



*) Mß^nwes II. ß3. 

*) In Vienne wurde nicht als delictum behandelt, was der 
Jbrsbiftchol^ veranlasst hatt& Es gak Spur^nMlgi^ny. 

^) Nene Nachrichten vom Arzte Michael Serveto .S. 54« 97. 
^> Histor. Academ^ Paris. TL 881, sq. 



19 



Bffiigeiier, Henry, &tft^ie^B, Roget, Hofete^e d§ 
Qfpot, hieben keine 41u^ung, wo sie j^ne aebrift 
^U9l^en sipUeÄ? 4^cb Robert Willis') schreibt: Biai^t 
2af T^e wüide es für ui^ vw, Interesse^ ^ein, $ifp^ 
(j^jD^dmly) zu erfahren, worin der Staphel Gipser 
^polpgje 1^: aber, wie andere unter dem ^fii^ 
jß^r Eint^s-Veröffesttlichungen, die eilig herypi:^ 
g^braebt werden, dem BedUrfh^ss ekier Stunde ^u 
genügen, ist auch sie untergegangen. Vor dreir 
l^un4^ ^^^ fünfz^ Jahren hat es wenig Balladen-, 
Plf^c^ten- und Tractaten-Sammler gegeben, und al^ 
^Nachforschungen nach einem Exemplar der Ph|lip7 
W^ gegen die Fa;ri9er Facoltät blielt>en erfolglos, ^ 
WilUs beruft sich auf De Murr: Annotament% ^ 
ißibUothecas BJallerianas, 4?" Helmstädt 1805; f)^gt 
a^€r hinzu, er habe seitdem brieflich von mir erfs^h^^j 
i^ ich eine Abschrift jen.e8 PampUets w|rkUcl^ 
(„^(ftnaüy) ^)esässe. Auf Grui[id dessen spricht Al^ 
G;0)rdon^), die Hoffn^Qg aus, d^ dieser Über mriss^i^u$i 
4n^];i D(iich wieder abgedruckt, und map so in d^ 
Sijpd gesetzt wer^n würde, uiit mßUr Sichef h?i^ a]# 
Bff,^ de^ Au^Mfi^ffungei^ deaPro;ze^s ?u beurthejöleB,, 
was die hervorragenden Funkte von ^.^ryet'a a^tjcf^-i 
logischer Speculation gewesen sind. Wörtlich eben- 
so drückt sich Ch.'Dafdier aas^^ Vm so auffallender 

erscheint es, dass Achille Chöreau,^) der sich geberdet, 

^—^^^———^—^-^—^— ._ , 

^) Servetus ani Calvin: London. 1877. p. 126 sq. 

*) The Theolog. Review. London, 1878, April No. LXI. p. 296. 

^) Rbymä hifttoriilne. Mar «t Jim 187i9. 

^) Revue scientifique, Il9. «fiali 1879^' pi 6a. 



20 



als hätte er Charles Dardier, Willis und alle meine 
Servet-Studien gelesen, behauptet, dass die Apolo- 
getica disceptatio pro Astrologia, seitdem auf Bitten 
der inedicinischen Facultät von Paris das Parlament 
sie habe zerstören lassen, nach seiner Meinung nie 
wieder aufgefunden worden sei. ^) Nun vor einund- 
zwanzig Jahren habe ich in Paris die Schrift ent- 
deckt, wörtlich abgeschrieben und empfohlen, sie 
unter die Libri rarissimi zu setzen. 

Ich bringe den Text des Originals. Druckfehler 
verbessere ich in den Anmerkungen. Sie wollen nur 
Winke geben für Servet-Porscher. Doch das eine 
Ergebniss hebt sich schon heute heraus, dass der 
Vorwurf, der Spanier habe sich, wie so manche 
grosse Geister, in die Wahngebilde einer judiciären 
Astrologie verstricken lassen, durchaus irrig ist. 
Vielleicht treffen die Forscher auch in der zweiten 
Ueberzeugung zusammen, dass die Apologetica dis- 
ceptatio dem Servet nicht so viel „Ungeheuer" auf 
den Hals gezogen hätte, wäre er nicht den persönlichen 
Beleidigungen mit persönlichen Beleidigungen ent- 
gegen getreten. Es siegt die Wahrheit immer erst 
durch die Liebe. 



Magdeburg, Michaelis 1879. 



Der Verfasser. 



^) Im Separatabdrack pag. 19 Anm. 1. Die Apologetica 
wird seigen, wie falsch Ohfoean urtfaeilt. 



Michaelis TlUanoTani 

in quendam medicum 
Apologetica dtsceptatio^) pro a«trolog^ii* 



InterpellaTit leettones ineas, cum 

Lutetiae astronomiam publice profiterer, 
medicus quidam,^) duabus rationibus eam tot am, 
tarn parte illa quae ex astris praedicit, quam 
alia, quae coelestes motus instrumentis ob- 
serviat, subvertere conatus. Quibus nil aliud plane, 
quam suam inscitiam prodidit, imperitum alium 
sequutus, sub quo praeceptore^) fuerat rüde 
donatus, ut temere ambo damnent quae penitus 
Ignorant. Phllosophos se tarnen ii, si diis placet, 
et medicos jactitant, cum a suis ducibus, Piatone et 



*) Symphorien Champier, Servers Lehrer, schrieb eine 
Apologetica disceptatio, per quae loca sanguis mitti debeat 
in pleuritide; eine andere apolog^. discept. de phlebotomia, 
IBasiL 1532; eine dritte apolog^. discept., qoa docetur, an 
«angois mitti debeat in causone Lugd. 1533; Pet. Brissot: 
Apolog. discept. de vena secanda in pleuritide 1529 n. a. m. 

^) Dr. med. Joh. Tagaalt, zum vierten Mal Decau der 
Facultät. 

') Nicht Guy de Ghaoliac, der war eifriger Astrologe, 
:flondern wahrscheinlich Picus Mirandola, Verf. von de cura- 
tione morborum, disputationes in astrologiam etc. etc. 



22 



Aristotele, Hippocrate et GaJeno eos descivisse ex 
hoc quivis manifesto intellicat (sic!),^) quod omnes 
astrologiae fuerint periti, quam hi non solum 
illi^ se egregie ignorare fatentur, sed et in- 
sectantur petulanter« Illi^) Phttoeophiae familiaris- 
simam, hi^) adversissimam contendunt. Citabo itaqae 
prius eorum autorum testii^oniai utriqae astro- 
logiae parti^) faventia, deinde adrationes veniam/) 
Divinns igitur Plato in libro de regno, coeli 
circüitum esse mutationis. liornm inferiorum 
causam ostendit. Et in epinomide, nolite, inqüit^ 
Ignorare astronomiam sapientissimum quiddam esse: 
ibiqüe docet graecos eam ab aeg^yptiis didicisse 
et in dialogo septimo de legibus solem et lunam 
magnos deos appellät. In Timaeo deus,^ boni, 
qüanta sapientia ibi quatuor haec elementa infö- 
riora, alia quadam ratione in cöelo esse probat, 
dt steUae qtiaedam calorem, aliae frigus inducant. 
Sol ibi lux lumen splendor calor et generatio dicitür» 
Jbno ibi pollicetur se alias pro rei dignitate de septeia 



intemgat. 

^) „iiU" scheint mir eine ans Missverstaiid (s. ZeUe 5) hei^-^ 
vorgegangene Hinsnfägnng des Setzer's zn sein. 

^) Plato nnd Aristoteles, Hippocrates und Gal^n; 

*) Taganlt nnd Picns. 

^) Der divinatrix oder jndiciaria astronomia, qnae el astrik 
präedicit, nnd der demo<nstratiTa ocler niathemati<$il« quaQ 
coelestes motns instmmentis observat. 

*) Beginnt TheÜL der Schrift: Anctoritates, p. i— 12. 
Es s-ind jene vier genannten. 

^) Komma Tor Dens. Hit „dens*" beginnt Seite 2. 



23 



plabetis traetatamin. Physiea enini et mediea tra^- 
tanteli non solent fa^us ad astrofiomiam et alia 
digredi, ut ait galenus lib. tert. de dieb. dec. Ms 
verbis : In praesentiarum non primas causas omnitUB, 
Quae ad astronomiäm attinent, sed quae projprosito 
nostro condncunt, inqmtere cogitamus (astronömiam 
et astrologiam graecis et latinis scriptoribus idem 
esse noii dubitamus) ^). Subditdeinde Plato cuivis 
generi animantium unum in eoelo tributum esse 
astram et in critia, Septem metallis coaptat septem 
planetarum influxüs, generationem omnium, ut ait 
moderantes. Jam ad aristotelem, Is lib. secun» 
physico. astrologiam magis naturalem quam geo- 
metiiam asserit, ibidem subdens, a sole et homin& 
hominem generari. lib. etiam septimo et octavo phi- 
sycorum (sic!)^) omnes horum inferiorum motus ad 
coelestes reducit et lib. sec. de coelo, cap. 10 ex 
iis quae in astrologia dicuntur, suas desnmit pro- 
bationes, suffiicienterque ab astrologis ea tractata 
concedit et ca. 12 yeneratione dignum, potius quam 
temerarium judicat astrologum, si ob philosophiae 
Sitim exig:uas etiam in hisce rebus facultates amet 
et paulopost, subdit se yidisse martem a luna 
eclipsatum. rem saue prodigiosam et ab aristotele 
ideo relatam, quod raro contingat, ob quam egö hie 
paululum digrediar. Nam similemcum quibus- 

^) Dieser Sprachgebrauch geht durch das ganze Mittel- 
alter, 80 dass man f on einer ästrc^otnift judiclaria und astro- 
logia mathematica spricht. 

*) physicorum. 



24 



dam amicis observavi^) die dnodeointa hu- 
jns mensis febrnartt labentem anno a Chri- 
sto nato^) tricesimo octavo supra sesqui- 
miliesimum. Fuit nocte seqaente') mars 
«cliptatus a Inna juxta stellam qaae dicitnr 
rex, sive cor leonis. Unde Aitnrnm praedtxt, 
nt hoc anno aTidins excitarentnr cor- 
da leoniim, Id eist animl prlnclpnm^) 
ad arma cnm marte capes^enda, mnl« 
taqne ferro et igrni Tafstatnm Irl, ec« 
•cles^iant pasisnrani, principe» qnosdam 

*) Mit -vi beginnt S. 2. Ueberall zieht Servet in seine 
'Wissenschaft die eigenen Beobachtungen auf geographischem, 
Astronomischem, meteorologischem, linguistischem, anato- 
jDiischem, physiologischem, historischem Gebiet. 

■) Servet zählt hier von Weihnachten bis Weihnachten, 
nicht von Ostern bis Ostern, noch auch wie wir. 

') Die Sekunde der Beobachtung, die er mit einigen 
Preunden in der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1538 machte, 
.^iebt Servet nicht an. Heute kann daher diese astronomische 
Beobachtung weder für die Bestimmung der Mondstellung 
noch der Marslage von Bedeutung sein. Interessant ist, dass 
-die am Anfange des 16. Jahrhunderts beobachtete Bedeckung 
des Mars durch den Mond dem Amerigo Vespucci, wie mir 
•gütigst Dr. W. Foerster aus Berlin schreibt, an der Mündung 
des Orinocco die erste sichere Längenbestimmung der Lage 
•des neuen Continents geliefert und den letzteren definitiv von 
Ostasien losgelöst hat. Ob noch ein zweiter Astronom ausser 
Servet die Marsbedeckung des Jahres 1538 beobachtet hat, 
ist mir nicht bekannt geworden. 

^) Auch Calvin nennt ^öuige Löwen, wo er ihre Namen ver- 
schweigen will, 19. Aug. 1550 an Farel »der starke Löwe*", «ein 
anderer Löwe") s. Letters ed Bonnet, Philadelph. II 80 al. I. 



n 



interitaroSf pestes insiiper et alla 
qnae den« aTertat. Sed de his satis. 

Sabdit eodem cap. aristo tel es, se ab aegyp« 
tiis et babiloniis multa fide digaa de singolis steUis 
accepisse. idem fere ci^p. sexto primi meteor. Ga- 
lexio etiam üb. 3 de dieb. decret : flde digua visa 
sont quae aegyptii ex luna praedicunt. Josephe 
etiam teste Üb. primo aDtiq. Jnd. ea. decimosexto: 
abraham ipse aegyptiis astrologiam tradidit a cal- 
ceis') acceptam« Porphirius etiam astrologas pe* 
ritissimus institationes scripsit apotelesmaticas ex 
ealdeorum sententia. Fide dignos etiam putarant 
aegyptios Thaies Milesias, Selon, Pythagoras, De- 
mocritas, Plato et alii qui astrologiae et geometriae 
discendae causa se in aegyptum caatulerunt. Sam^ 
mis igitur philösophiß fide digna visa sunt, quae 
inperitis hodie videntur ridicula. Ita sunt excae^ 
cati, nee in coelum unquam oculos attoUunt, ut 
yideant puleherrimam illam machinam non esse 
frnstra a deo conditam.'^) Quorsum a Creatore 
ipso, nt testantnr sacrae llterae» posita 
haec sunt in signa, nisi ut significent? et 
qnorsum tarn varia signa, nisi ut varia de* 
signent? Sed ad aristotelis ordinem redeo. Is 
üb. 2 de genera. et cor. ca. deci. generationis et 
corruptionis in his inferioribus') causam investigans, 

*) Chaldaeis. 

*) Wie oft Senret astronomische Beobachtungen gemacht.^ 
ist nicht bekannt. 

3) Mit infer. beginnt Seite 4. 



u 



c^efi lalfonem Moensäria eäm esse conelädit, #b 
eamque r^m pldres faec^ssando c^rtinsse esso eodi 
motils. Addit iosaper^ cüjasqQe mortalium tem- 
t>iis et vitam, ejus motas cireuita mensftrari, 
om&iaque sefcundntn eum ntiinerahi determi- 
iiari.^) t)einde accessam solis äd n<)s in zodiaeo 
tättsaül esse geherationis, recessum vero causam cor- 
ruptionis. id ipsmm Mb. de mundo conflrmat. deinde 
lib. pri. meteor. cap; 2. necessario ait mundum huue 
inferiorem continttüm esse lationibus superioribus, 
ut inde riä ejus universa gubernetur et cap. 3 per 
astrologica t&eoremata Aristoteles ejus artis pe* 
ritissimus afflrmat ^ deprehendisse terram esse 
QUibusdam astris minorem, et paulo post reprehendit 
eos, qui physica iMctant sive (sic!)^) eomm theoremär 
tum cognitione. Mathematicis enim demonstrationibos 
coUigunt astrologi, quantum luna e medio distet, 
tam ex umbra terrae quam ex aspectus diversitate. 
Unde colligitur quantitas loci et spatii ignem et 
aerem sub luuae conc^yo capere sufficientis, ut nnl- 
läan hac melioi^em de elemeuto ignis probationenk 
habere pos»t philosophüs^). cap. insuper. 6. perlte 
de plauetid disserit, Hipocratem etiam ejus rei pe- 
iritum citanS) et aegyptiod ästrologos laudanä. et cap. 
7 coelestium speculatlonem commendat: lib. item 
2. cap. 4. 5 et 6 ob solis et siderum Jationes^ ortns 

Daran knüpft die Horoscopie. 
*) sine- 

^) Ueberall reiht er practische Beobachtungfen an die 
Theorie nnd Theorieen an die practische Beobachtung. 



27 



et oocasQS pltltias et ventos excitari tradit, et juxta 
loem ort« et occasus in borioznte^) ventos coII(ycat; 
id ipsum üb. de mundo facit et üb. de divinatione 
per sdtnnia^ ex eo quod antiqui ita ezistimamnt; pro-» 
bat edse divinationem per ^mniä; Qitod de asti'lst 
potiore molto ratione fatetur. At dices, plürima') 
Bon eveniunt eorüm qaae praedicnfttnr? Ad 
liDc respondet Aristoteles eodem loco bis verbis: 
nee rero inconyeniens föt plnrima qnae praedicuntttr, 
non eyenire. adducitqne siniile a re manifestiere; 
n^mpe Astrologia et Phyäiognomia. Natn neque ea 
Signa, inquit, quae in corpore vifuntttr*) (sie!), neö 
qnae in coelo, ut quae imbres et flatus portendunt^ 
semper eveniutit. Si enim alius vehementior 
motu» ingruaty quam sit iste futurus, a quo 
lila fiant, tune ex signo nihil sequi solet. haee 
ille. Quae si vidisset noster logi atros (sic!)^) sicut 
contra noUj ita contra Aristotelem primo argn- 
mento probasset, non esse artem physiogno- 
micam, eo quod passim non eveniant quae pby* 
fidogmomi praedicnnt« Et itä esset aristotelei 

« 

in^tus, qui d'e pbysiognottiia scripseiit. Adtertendüm 
tamen quam evidenter böc loco doceat Pbilösopbud^ 
esse in coelo signa, quae imbres et ventos pOrtendäht; 
Quorum aliqua in ephemeride^) vidimus, sed a solis 

*) horizonte. 

2) Mit plun beginnt S. 5. 

') Tidentnr. 

4) Ao^fittTpo;, aer nur seiner Rede nacli Arfct ist, Theoretiker; 

*) ephenietiSj Kalender. 



28 



Alis dixi non posse sumi Judicium, cnm passim alia 
occurant signa illis contraria. Qaae tarnen omuia 
peritus astrologus potest conferre, et a pluribus et 
potioribus indicationem samere, quod et medici far 
ciunt et physiognomi. Nee inconveniens erit cadere 
errorem, ut in medicina, cum sint hae omues 
artes magna ex parte conjecturales, quod de 
medicina fatetar passim Galen us. Quo magis vi- 
tuperandi sunt medici, qui in hac re ita caecutiunt, 
cum nihil omnino sit*) in astrologia, cui non sit 
simile in ea medicinae parte, quam vocant simioti- 
cen^) ut in sequentib. notum faciam. Imo ille su- 
perveniens motus quem ponit aristoteles, £a.cilias 
reddet Judicium medici^) falsum, propter aegrum assi- 
dentes etexteriora, quam Judicium astrologi: com et 
motum ipsum, qui superventurus est, cognoscei^ possit 
astrologus, non medicus. Exemplum in publica 
lectione^) dedi, cum aliis judicantibus plnvias, 
ego ex supervenienti contrario syderum 
motu, dixerim fore yentos, qui nubes pro- 
pellerent Item cum Uli passim fiigus, ego ex 
aliis signis, quae ephemeridarii non norunt, 
fore hyemem hanc totam sine frigore, sae- 
pius prae dixiy Idqiie pabllee.*^) 

^} existirt. 

^) "h 9Y][ietu)xix72 sc. TsyvTj, die Lehre von den Kennzeichen 
der Krankheiten. 

^) Mit medici beginnt S. 6. 

Durch Einflechtung eigener Beobachtungen müssen 
Servet*s Vorlesungen höchst anregend gewesen sein. 

^) Servet war also auch Meteorologe, und hat selbst da. 



29 



Qood stupendum multis videbatur. res ta- 
rnen ipsa^) me vera dixisse indicat. Unde 
illos ego non probarim, qni seipsos et artem 
totam infamant,^) ex sola ephemeride prae- 
dicendo. Nam omnium judicioram astrologiae illa 
de aeris mutatione sunt periculosissima,') cum ob 
alia, tum ob varias locorum proprietates Ulis 
ignotas, sicut et medici naturarum proprietates par- 
ticulares ignorant. belle euim hominem in genere 
curant in scholis vel lectionibus suis,'^) socratem 
autem vel platonem non item.*) Aristoteles in- 
super, ut ad eum redeam lib. 12 metaphy. astro- 
logiam ait pMlosophiae esse &miliarissimam. Audis 
philosophiae familiarissimam esse, quam nostri 
hodie philosophi aversantur. Praeterea, initio 
secundi libri de gen. ani. generationis principem 
causam coelum esse asserit, et coelitus priucipium 
dedueit. et ca. 4. menstrua moveri tradit mulieribus 
luna decreseente, ititione recta ut ait, nam ob lunae 
defectnm fines mensium lunarium sunt frigidiores. 
nota aristotelis verbum , nuUus enim fnit unquam 
ita rudis, qui observans non deprehenderit dies*) 



wo er den Kaiendennacheni entgegentrat, bisweilen richtig 
geweiBsagt. 

Der Thaterfolg* 

^) Blamiren. 

') Sehr wahr! 

*) Vortrefflich! 

^) Den einzelnen Henschen aber, o wehe! 

*) Nicht noctes. 



^ 



a2 

Ego quod Omnibus debeoOhristia.nisjamdixi% 
Nunc adHippocratem, qui üb. de victus ratione^ 
astrorum, inquit, ortus et occasus medicus cognoscat 
oportet, ut mutAtiones excessusque cavere sciat Et 
lib. de carnlbus, languere, dolore, mori, 
quicquid boni itiaÜTe in homine est, de coelo 
proficiscitur*) et lib. de octimestri partu^ secun- 
dum Innae statum tempore conceptionis, partum di- 
ferri vel anticipari tradit. Alia praeterea ex lib. de 
insomniis, lib. de morbis et aliis, in hanc sententiam 
coUigi possunt. Ad Galenum medicornm prin- 
cipem-') jam veniendum, cujus vel unus astrologicus 
über de praedictionibus ex luna nobis posset 
sufficere, eui ettsimilis fere abHippocrate scriptns 
fertur. Praeterea in principio primi epidem. quod 
mutilatum est in vnlgata editione, solum medicum 
astrologum ait Galenus, post Hippocratem, 
ftaturos morbos posse praescire^), et ne eveniaat, 
prohibere, contraria admoneudo. Coeli enim 
Status aeris est dispositio ab ipsa ooeli constitutioiie 
pendens, ut ipse nos docuit Hippocrates, quem 
ibi citat Galenus ex lib. de aere aquis et locis, in 

mittelbare Eingfreifen der g()ttlicheii Vorselinng, xa der die 
Liebe baten soU, und des Hensehen besonnene Ueberlegong. 

^) Servet hat einen Zag %a idealen Anfisaben, die ihn 
anf 's Schaffet bringen müssen. UeberaU um den Idealisten 
tOnt es: ad ignem! 

*) & meine Einiettnng. 

') Ueber den Galenisten. 8. die Entdechnng des Blut* 
kreislanib. Jena 1876 p. 72 sq. 

*) Mit -re beginnt 8. 9. 



dS 



quo Hippocrates hajus cognitionem ad astronomian^ 
refert, quanquam et ex aere ipso quaedam sumantur 
Signa, de quibus lib. 3 apho. et primo problem. 
Quam rem manifestius paulo post docet Galenud 
bis verbis: qui ergo astronomiae imperitus est me- 
dicus, hunc scire velim, ipsum haudquaquam obse- 
qui Hippocrati, ad astronomiam ob praedictorum 
usum cohortanti. Obsequxintume igitur Hippo- 
crati medici nostri?^) Hippocratis authoritate 
nos Gohortator Galenus, nam sua non audebat, 
timens sui temporis medicos, ut mox videbimus. 
Idem Galeiius initio lib. 3 de dieb. decret. audacter 
jam loquens, Inordinatum, inquit, quod ex hac 
mundi materia proficiscitur, ordine, ornatuque 
semper procedentem originem coelestibus refert accep- 
tam. omnia siqaidem in hoc orbe, ab illis decus or- 
namentumque capessunt. et paulo post: Omniam 
certe superiorum astrorum potentia fruimur, verum 
sol maxime hunc orbem exomat, et concinne dis- 
ponit. Magna sane et lunae opera in hac rerum 
substantia apparent, idque evidenter adeo in marinia 
beluis. deinde ait: menstruorum statutum tempus 
mulieribus luna conservat, comitialium circuitus cu-* 
stodit, et ferarum occisa corpora in tabem visu suo 
resolvit. et iterum : Yehementiores itaque mutationes^ 
accidunt, ubi luna cum sole coit, deinde in diametra 

^) Die Aerate der Zeit Servet*B, welelie Astroiiogie trieben,, 
wurden verfolgt. Aber die Könige hielten sich astrologischem 
Aerzte und Hofastrologen. 

Mich. Yilianov. apologetica disceptatio. 3 



34 



3*adiatione, tertio in quadraturis. Quae*) verba ita 
sunt manifesta, ut nemo unquam fuerit ita stupidus, 
•qui observans^) non deprehenderit, circa novilania 
fieri magis' aeris matationes. Aratum^) postea 
•citans Galenus concludit: convenit itaque astrologos 
laudare, qui de bis scripserint, tanquam ne vel 
minimum qoidem omittentes. Conjungite, quaeso, 
lectoreSy bonc locum cum illo Aristotelis jam citato, 
in qdo laudat astrologos, quod ob philosopbiae sitim, 
«tiam minimas astrorum facultates inquii*ant/) legite 
haec in ipsis autboribus, nam vos multo vehementius 
afficient. et tunc judicate quam indigne"^) ob singu- 
lorum motuum investigationem ab iis repre- 
liendimur, qui hoc solo contenti sunt, quod in genere 
sciant coelum moveri, cum nee id ipsum vere sciant.®) 
Tidi enim qui publice in scholis negaret varios 
planetarum motus, nam ad ciicumagendum ele- 
mentum ignis unus motus suf&cit, nee aliter Uli moveri 
a -coelo elem enta volunt.^) Indigni sane contra quos 

^) Mit qaae beginnt Seite 10. 

*) Wieder fordert er Prüfung der Autoritätsaussprüclie 
<lurcli eigene Beobachtung. 

') Poet und Arzt unter Ptolemaeus Philadelphus »derselbe, 
den Paulus in Athen citirt. Act. 17,28. 

*) In der Erforschung des Minimen lag Seryet*8 Stärke: 
dadurch entdeckte er die vergleichende Grammatik, die ver- 
gleichende Geographie, den kleinen Blutkreislauf etc. 

*) Grundlos, unbillig. 

®) Die Verachtung der sog. Kleinigkeitskrämerei macht 
•oft Unwissende stolz. 

^) Was würde Newton dazu gesagt haben! oder auch nur 
Oopernicus! 



35 



disputet philosophuSy cum negent ea quae sunt 

sensui manifesta, et philosophis omnibus recepta.^ 

Deinde criticos dies ex lunae motu concludens G-a- 

lenus ait: Yerissimum esse comperimus ab aegjrptiis 

astronomis traditum, luuam non modo aegris, sed 

et saniSy dies quales tandem futuri sint, posse prae* 

nnuciare. nam si inquit, cum planetis temperatis 

aspectum habuerit, bonum: cum intemperatis, malum. 

Ponit adhuc exemplum astronomis ex genituris 

judicantibus admodum utile, ex quo et totus ejus 

über de praedictionibus ex luna ducit originem, 

ne quis eum non esse Galeni causetur. Tu lector 

cave ne oculis animi clausis haec legas.') Pone, 

inquit, homine quodam nascente salutares planetas 

in ariete esse^ malignos in tauro : is homo nimirum, 

cum luna in ariete cancro libra vel capricorno fiierit 

pulchre deget. cum vero taurum ipsum, vel tetrago- 

num, vel diametrum Signum occupaverit, male tunc 

vitam transiget. Item, morborum initia huic, cum 

luna in tauro leone scorpione vel aquario fuerit, 

pessima: sine periculo autem, cum arietem cancrum 

libram vel capricornum luna permeaverit, Deum 

^) Diese Aerzte sind so genau gekennzeichnet, dass die 
zeitgenössischen Leser der Apol. disc. sie sofort heraus- 
erkennen mussten. 

*) Mit gas beginnt Seite 11. — Jene oben erwähnte dop- 
pelte Correctur offen haltend, glaubte Servet an Bestimmungen 
Ton der Qeburtsstunde aus. Wie viel mehr der Astrologe 
Melanchthon an Vorherbestimmung glaubte s. im ^Melanch- 
thon und Servet". Berlin, 1876, bei H. R. Mecklenburg. 

8* 



•i 
36 

immortalem, quam multa ex hoc possem inferre, si 
OTim astronomiae peritis esset mihi negotium.*) Jam 
contra adversarium nostrum^) concludens Galenus 
adt: Si haec quae astronomis in eonfesso snnt de- 
precaris; nee ii& qai inquisierunt, fidem adhibes, 
indabie sophistarum undiqne nunc obstrepentium 
aliquis es, qui manifeste apparentia nos ratione pro- 
bare postules, cum e contrario, ex evidenter 
apparentibus abditorum ratio indaganda es- 
set.') magnum Galen um, o sententiam dignam 
literis aureis, et vere propheticam.*) Ratione enim 
nos probare hodie cogunt, quod sol luceat. nam hoc 
Uli non vident, sicut nee aliud quicquam eorum quae 
in coelo sunt qä (sie!)*) nihil unquam observarunt,^) 
sed omnia negant, et se cumGaleno sentire con- 
tendunt. Picus"^) certe, etiam hostis aecerri- 
mus, fetetur Gälenum astrologis favere,^* quod isti 
pro suo pudore audent negare. Ejus enim verba 
non intelligentes adversarius n oster et ejus 

^) Servet sieht die Horoscopie als eine exacte Wissen- 
schaft an, wenigstens in dem Sinne wie es die auf Semiotik 
angewiesene Medicin ist. Er mag darauf viel Zeit ver- 
schwendet haben, wie auch andre grosse Männer. 

^) Johann Tagault. 

3) Beide Grundsätze sind ja neben einander wahr und 
empfehlenswerth. 

^) Servet ist in dieser Zeitperiode gans in den GhaLeik 
verUebt. 

^) quia. 

*) Servet und J6an Tibault; beobachteten immer selbst^. 

^) Miranduia, Tagauit*8 Lieblingsautorität. 



87 



praeceptor, non solum sinistre exposuexunt, 
seA et in astrologiam impndenter debaehaü annt, 
idque publice. Quos postea simia quaedam^) aemu- 
lata est, in causarum neapolitani morbi^) in- 
vestigatione nil coelo tribuens, etiam si sapca 
nos docuerit philosophns') ab eo esse miracn]a 
rerum novaram, cum aUunde esse non possit norae 
formae productio.^) similis est enim ratio sicut de 
nova monstri') in aere apparentis substantiali 
forma, quam nuUae*) elementorum commixtiones pos- 
sent producere. imo elementa Aristoteli ad nullam 
certam commixtionem moveri possunt, nisi peculia- 
riter a coelo ita dirigantur.^) Quid enim alind est 
subordinatio causarum?®) Sed sophista ille') 
de influxu, an qualitas quaedam sit, disputans, rem 
ipsam omittebat. DemumGalenus, quam (sic!)^®) 
suo saeculo talis erat medicorum pestis qna- 



^) Wer war das? 

2) Syphilis, damals eine neue Erscheinung, die in Frank- 
reich (morbus gallicus), Neapel (Neapolitanus) und anderwärts 
auftrat. Servers Lehrer, Femel, schrieb über sie. 

3) Mit -p hu s beginnt Seite 12. 
^) AehnUch Rieh. Rothe. 

^) Monstrum ist jede seltsame Naturerscheinung, die den 
Menschen an das ausserordentliche mahnt. 

*) D. h. keine bisher beobachtete. 

^) Alles Originelle geht mehr oder minder unmittdlto 
auf die origo divina zurück, ist oTjiielov, miraculum. 

®) le pourquoi du pourquoi. 

») Tagaulfs Affe. 

^®) quum. 



»J 



88 



lis hodie,^) jurat per deos immortales, se amicoi'um 
precibas coactum de astronomia disseruisse, nam, 
id sponte facturus non erat, videus sui temporis 
medicis alia potius nugamenta placere, et haec esse 
Ulis inVidiosa. Affirmat tarnen se vera astronomoram 
placita tradidisse quae et Hippocrati prius nota 
ftdsse conflrmat. notate verbum, vos qui Hi p po- 
erat em^) ridicule interpretamini. Quare dies ille non 
numerat integres, nisi propter lunam? ut exponit 
Galen US, etiam de astrologia loq: (sie!)') timens. 
Simili ratione ad finem decimi de usa par. testatur 
se non ausum de astronomia, aut geometria loqoi, 
ne odiosus esset medicis sui temporis ineptissimis. 
Tacebimus igitur et nos cum Graleno horu.m 
timore? Imo veritatem profitebimur,*) eos 
a suis majoribus degenerare^) affirmantes. Per 
deum tarnen immortalem cum Galeno juro, me 
non giponte^ sed ab amicis*) adactum, ad 
matliemata divertisse,^ cum in medicina 

S. mciine Einleitung. 

2) Mit -cratem beginnt S. 12. 

^) loquitor. 

4) Die Wahrheit um jeden Preis! Servet bleibt sich darin 
gleich. S. Servets Gharacterbild 1876 bei Carl Habel. 

^) Flato und Aristoteles, G^alen und Hippokrates. Servet 
hätte hinzufügen können, Guy de Chauliac, den HallerCBibUoth.. 
Chirurg. Bas. 1774 I, 194) nennt: astrologiae deditus, a sa- 
perstitione non alienus. 

•) Peter Palmier, Franz I. Freund; Jehan Thibault, 
Franz I. Arzt, dann jene Itali. 

^) Diversionen sind oft gefährlich. 






39 



totus essem.^) Sciebam enim cum tot mon- 
stris^) mihi esse dimicandum. Sed postquam 
in arenam descendi, stabo viriliter.*) 

Oitabo igitur rationes^) adTersarll,*^) et 
eas ita diluam, ut in eum ambae retorqueantor.*) 

Prima ejnis ratio:') 

Si saepe mentinntur, nee vera dicunt astro- 
logi, inconstantibus utuntor praeeeptionibus, nee 
consentaneis: et si inconstantes sunt astrologi prae*- 
ceptiones et dissentaneae: astrologia ejus modi ars 
non est.®) ergo si saepe mentiuntar, nee dicunt vera: 
astrologia ejus modi ars non est.') 

Secimda ratio: 

Si horoscopi designatio certa fatora est, nee 
dioptra^^) nee oculo astrolabium^') falli necesse 
est: si nee dioptra nee oculo &llitur: coelum quie* 
scere, et undequaque se oculo obtendere necessum 



*) Er studirte bei Dubois, Femel, Winther von Andernach^ 
secirte selber etc. etc. S. meine Einleitung. 

3) Ein Lieblingsausdruck Serrets. 

3) Ein spanischer Stierkampf. 

*) Beginnt Thell IL der Schrift: Ratlones. Theil I*. 
war: Authoritates. 

*) Tagault. 

*) Hit -queantur beginnt Seite 13. 

') Adversarii decani. 

^) Gi\}U8 modi medicina. 

*) Tagault's erster G^rund geht darauf hin, Servet sei 
Betrüger. 

*®) Der Yisirapparat. 

") cf. Servet als Geograph: Zeitschr. f. Brdk. 1875, 187. 



40 



Bjnt: ut hoQ Sit, nihil esse est necesse: ut ergo ho- 
iroj^^pi designatio certa »it, nihil esse est necesse.^) 

BespoTisio: 

<2nam belle nngatur sophista,^) ac puerüibus 
his raüombus sibi blaDditor, ineptissima plane sunt 
enthymemata*) omnia, ex quibus hyppotheticos (sie!)*) 
iU<)s ^yllogismos consarcinavit, nt ex Aristo tele 
Jam rdntata sit prima ejns ratio. Ignorat, nt video, 
wiifferentiani inter praecepta nniversalia, ex qnibns 
«rtes constant, et judicia particnlaria, quae sibi 
j^oik constant^) Hippoeratis praecepta in libris 
praedictionnm sibi eonstant, tarnen ex illis duo me- 
^ici in eodem morbo varia jndicabnnt, et Interim e 
^ametro oppugnantia. Ex eisdem legibus duo ju- 
dices, in eadem causa, varias ferent sententias, et 
Interim e diametro pugnantes, propter varias con- 
j^Oturas, varia ingenia, yarios affectus, variam erudi- 
tionem/) Subvertentume propterea leges et prae- 
cepta Hippoeratis? Nequaquam. Itaqne peritorum 
astrologomm praecepta sibi nt plurimum constant: 
judicia particulariai quae ex illis a yariis hominibu s 
ob varias coiyecturas varie coUiguntur, sibi non 

^) Tagault 8 zweiter Grund macht Servet zum Nihilisten. 

*) Tagault. 

') Logische Anschläge. 

^> Servet^s gründliche logisch- scholastische Studien (cf. 
Zeitschrift für geschichtliche Theologie 1875, p. 687 sq.) 
ha^en ihm später doch mehr al» einmal genützt. 

«) Servet hat auch einst in Toulouse die Rechte stadirt. 
(of. Zeitschrift f. wissenschaftl. Theologie 1877 p. 343 sq.) 



41 



constaut. Piimi*) ergo sui enüiymemata,^) coiaplexio 
mralida est, si Ib universam praecepta damnet.') 
Sin quorundaxn tantum eiTonea esse praeoepta 
Teiit contendere, quaBdo hoc Uli donarem, non de- 
-strueretur ars, et esset tunc in secundo entbyme- 
mate peccatnn). In omnibos enim artibns sunt dis- 
sidia et opiniopes variae: qnae non artis sed arti- 
fienm arguunt inperfectionem :^) Imo ex iis artes 
tandem illustrantur, nt moltis contra Mirandulam 
docet Fontanus IIb. 12 de rebus coelestibus.^) So- 
lum ergo concludi ex erroribus potest, eos esse artis 
imperitos, qui tarn saepe errant. Tarn saepe inquam, 
nam aliquando etiam omnibus a peritissimo quoque 
observatis res non succedit,') quod et in medicina 
contingit, teste Hip. apborismo illo : omnia secundum 
rationem facienti, si non snccedat, etc. Conjecturalia 
enim sunt ut plurimum, quibus in dignoscendo, ac 
praedicendo utimur. Equidem, si omnia intueremur 
evidenter, essemus non homines, sed dii. Dens ita- 
que,^ det sapientiam admirari, imbecilitatem 
nostram agnoscere, non artes damnare.®) 

*) Mit -mi beginnt Seite 14. 

*) iv&üjn^iiato;. Das Komma ist irrig. 

^) decanns. 

*) Wollte man das doch auch in der Theologie beherzigen! 

*) Jovianus Pontanus, ein Spoletaner (f 1508) Vf. von 
L. XrV. de rebus coelestibus. Venet. 1518. 

•) Auch Michael schien glücklicherweise in seinen meteoro- 
logisch-astrologischen "Weissagungen bisweilen geirrt zu haben. 

^) Dies Komma ist sinnlos. 

®) Gewiss ein trefflicher Grundsatz. 



42 



Ad secundam rationem: 

Secunda ratio plurimum etiam habet stuporis. 
nam cum vult mathematices peritus videri, delirat 
pueriliter. Primo sine astrolabio potest horo- 
scopus inveniri , ut si vldeo solem orientem, et no- 
tus Sit mihi ex ephemeride, vel aliunde gradus 
ejus^) jam inventus erit horoscopus. Item quatuor 
modis in geographia docui^) inveniri posse lineam 
meridianam: qua inventa cognoscitur meridies, et 
deinde horoscopus. Sed demus illi me quacumque 
hora volle horoscopum astrolabis invenire, sive per 
ßolis, sive per alterius cujuscunque stellae altitudinem : 
eritne propterea*) necesse, coelum quiescere? Impe- 
rito ita forte videri posset, philosopho non item. 
Nam teste Aristo, lib. de sen. et sen. c. 6 et 2 de 
anima c. 7. contra Epedoclem*) non in tempore, sed 
temporis momento, omnes ejusdem recti spatii partes 
ludius solis illttstrat, sicut et visus. non est ergo 
quod imagineris solem in meridiano nunc constitutum, 
inde recessurum, antequam radii ab eo ad nos veni- 
ant. imo eodem temporis momento per pinnularum 
astrolabi foramina radii ejus ingredientes videbnntur*). 
Sed demus non esse idem temporis momentum. de- 
struetume ars propterea? cogemurne soIi nos a puncto 

^) Fehlt ein Komma. 

*; Ptolemaei geogpraphia ed. 1535. S. Zeitschrift für Erd- 
kunde. Berlin 1875 p. 187. 

') Mit -pterea beginnt Seite 15. 

*) Empedoclem. 

*) Servet ist Practiker. 



4:3 



in punctum sine errore ducere lineas? In oculo 
nostro festucam hie despicit, in suo trabem non 
videt nam in eum ita retorqueri potest argumen- 
tum. Si medici curatio certa futura est, necesse est 
tot qualitatum contrariarum numeros habere medi- 
camentum, quot habet morbus ultra proprium tem- 
peramentum. quod si ita est, necesse est illos tres 
numeros esse ad unguem medico notos ac proinde 
qualitates elementorum esse illi conspicuas, et usque 
ad puncta dimensas^). hoc autem nihil esse est 
necesse, cum rudissimis tantum coiyecturis tempe- 
ramenta nostra cognoscere doceat Galenus in lib. 
de temp. et arte medica: ut etiam üs cognitis, nu- 
meros nescias metiri. Item ex hoc etiam concludo 
coelum quiescere esse necesse, nam ab eo tempore, 
quo medicus haec remedia conjicit, usque ad tempus 
quo admovebuntur, jam erit aliqua morbi mutatio 
facta, quia coelum movetur. alioqui imperabimus 
morbo et coelo , ut Interim quiescant. nescit 
hie forte ab Hippocrate scriptum: occasio^) autem 
praeceps. ergo etiamsi praeceps astrologis labatur 
illud temporis momentum, sicut et medicis, non magis 
propterea ars una quam aUa destruetur. Imo prae- 
ceps magis est medicis, quam astrologis. nam 
hi in conspicua luce haec observant, illos yero interiora 
corporis magis latent: et cum majori mortalium 



^) Vortrefflich. Vivisectionen, aber dann der arme vivi- 
sectus ! 

2) Hit -Bio beginnt S. 16. 



M 



•dispendio illi passim errant ob astronomiae 
Ignorantiam. 

- Aliud quod annectit, est inscitiae intoleranda« 
argumentum^). 8i, inquit, non faHitur astrolabus, 
necesse est coelum undequaque sese oculo obtendere. 
•quid ego audio? oportebitne montem conscefudere et 
horizontem undique circumspicere? an non, quacunque 
per fenestram Stella visa invenietur horoscopus?res 
est, me hercle, in mathesi*) rudioribus nota, et 
ejus arguens imprudentiam, qui ejusmodi argumenta 
audeat nobis objicere. Non omittendum etiam quod 
medicus alius objecit astrologo, qui Rotoma- 
gum*) navigio petiturus, cum alüs divinaret, 
sibi non divinavit, nempe navem abire astro- 
logo dimisso. Sed paulo post cum medicus ille 
doceret, quae essent gallici morbi*) signa, et quo- 
modo ab infecta muliere auditores caverent, in 
quendam incidit, cujus tantum abest, ut morbum 
noverit*), ut nee se infectum intellexerit, nee na- 



^) III. Argum. adversaril, i. e. decani. 

^) Mathesis-astronomia-astrologia. Die Erde ist ja nocli 
orbis. Die Sterne, die man auf unserer Hemisphäre nie 
sieht, berüliTen nie und beeinflussen daher auch nie den hier 
Geborenen. Omnis actio fit per contactum. 

^) Bxyuen. Ist asixologas hier Servet? oder etwa oein 
Freund Thibault? 

*) Galliens morbus = Syphilis. 

') Dieser Stachel war gewiss sehr verletzend für den 
Angegriffenen, den man sofort herauserkannte. Nicht jeder 
hatte ja die breite Unverschämtheit Ulrich von Hntten's. 



45 



scentem in inguine*) bubonem curare potuerit. Ita- 
Que nee medicus nee astrologus sibi potest prospi- 
cere^), cum ad has conjecturas requiratur animus 
ab affectibus liber. In gratiam vestram, audi- 
tores, haec a nullo unquam tradita libuit 
coUigere,^) ut habeatis quo vos tueamini, si 
quando ejusmodi aliquis in artem nostram 
impetum faciet.*) 

Valete.5) 

*) in pene. 

') Es klingt wie persönliche Rache fiir persönlich erlit- 
tenen Spott. 

^) Interessant ist zu vergleichen, wie anders zwei Jahre 
vorher derselbe Stoff von Melanchthon behandelt wurde in seiner 
Praefatio zu Schoner's Tabulae astronomicae, Norimbg. 1536. 

'*) Was Servet's Hauptquelle war, ist heut schwer zu 
sagen: ob Bellantius, Soldevilla, Marsilius Ficinus, Gonzalez 
Toledo oder andere? Ich vermuthe, Pontanus. 

*) Schluss. Die kleinen Buchstaben bei Namen und hinter 
Punkten sind da beibehalten, wo Servet's Druck sie bringt. 
Es galt Treue. 




Druck von Aug. Jeretzke in Werder. 



Im Verlage von H* R* (nicht E.) IHeeiaenliuriP in 

Berlin C*, Klosterstrasse 38, erschienen femer nachstehende, 
von der Presse üherans günstig aufgenommenen Ergehnisse 
jahrelanger eingehender Forschungen: 

Tollin, H., Lic. theoL, M. Servet nnd die Witten- 
berger Reformatoren, I: Dr. H. Luther nnd Dr. 
M. Servet. (61 S. Lex. ^) Preis 1 Mk. 

Ueber Luther*s Verhältniss zu dem frommen, gelehrten, 
scharfsinnigen Bibelforscher lagert sich noch heute ein 
Geheimniss. Er hat ihn gekannt, gelesen und als 
Gegner erfunden und dennoch nie ein böses Wort über 
ihn gesagt. Er hat von ihm gelernt, ohne es zu wollen. 
Servet hingegen hat Luther besucht, gelesen, geliebt, 
in die Wolken, ja über alle Engel erhoben, aber an- 
gegriffen wegen seiner finsteren Prädestination und 
wegen seiner Lehre, dass der Mensch ein Klotz sei. 

II: Ph. Melanchthon und M. Servet. (198 S. 

Lex. 8«) Preis 3 Mk. 

Zweck und Aufgabe dieser Schrift ist nachzuweisen, 
wie Melanchthon und Servet gegenseitig auf einander 
eingewirkt und einer vom andern gelernt haben. Mit 
grossem Scharfsinn wird den Spuren solcher Beein- 
flussung in den Schriften beider nachgegangen und 
wird ans dem Gebotenen Jeder reiche Anregung für 
das Studium, höchst schätzbare Beiträge für das Ver- 
ständniss der ganzen reformatorischen Bewegung 
schöpfen. 

Vor vier Wochen erschien: 

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matoren. Bd. I. Martin Butzer und Michael 
Servet. (272 S. Lex. 8^) Preis 4 Mk. 50 Pf. 

Tollin's Butzer und Servet bringt zum ersten Male 
aus Pariser, Berner, Züricher und besonders Strass- 
burgerManuscripten ein psychologisch-dogmengeschicht- 
liches Bild von dem Zusammenwirken und Sichbefehden 
jener beiden in weiten Kreisen einst tonangebenden 
Männer, ein Bild, dessen Folie Union, Trinitätslehre, 
Abendmahlslehre bildet und das sein geistiges Gentrum 
in der Frage findet, ob Staatskirche oder Freikirche? 

Früher erschienen: 

,^BäecUlenbuTgf Dr. flL B* Ueber die verschiedenen 
Methoden, die Geschwindigkeit des Schalles zu 
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Kant' 8. (106 8. Lex. 8») Preis 2 Mk. ' 

Der Verfasser hat seine Aufgabe mit vollkommener 
Beherrschung des Materials und unbefangenen, scharfen! 
Urtheil gelöst, nebenbei manche falsche Auffassungen 
und J Auslegungen der Kant'schen Lehre widerlegt 
uud iberichtigt, wodurch seine Arbeit eine Bedeutung 
für die G-eschichts der Kant'schen Philosophie erhält, 
welche über ihren Umfang weit hinausgeht. 

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